Evangelisch-lutherische

Kirchengemeinde 

St. Clemens-Romanus

Pfarrbüro

Hoyaer Straße 59

31608 Marklohe

 

Tel. 05021 3746
Fax 05021 63588 

 

 

„Gottesdienst zeitgleich an verschiedenen Orten“

Vorbereitung:

Die Glocken der Markloher Kirche läuten von 9.50 Uhr- 10.00 Uhr, Gründonnerstag von 18.50-19.00 Uhr

Auf youtube ist das Markloher Geläut zu finden, das abgespielt werden kann, wenn die Glocken nicht zu hören sind: https://www.youtube.com/watch?v=P12jBRqfruU

(Hinweis: Die Gesamtdauer beträgt 11:43 Minuten, das Geläut der einzelnen Glocken beginnt bei 1:30, volles Geläut ab 9:04!)

 

Kerze entzünden, Bibeltexte und Lied des Sonntags aufschlagen oder bereit legen (Übersicht s. Anhang)

 

·      Einstimmung

Die Glocken haben geläutet und zum Gebet gerufen.

Jesus sagt: Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.

Wir sind versammelt. An unterschiedlichen Orten. Zur gleichen Zeit. Im Glauben.

Wir feiern in Gottes Namen. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.  Amen.

 

·      Gebet zur Einkehr und zur Verbundenheit miteinander an verschiedenen Orten

(Für Einzelne)

Gott.

Ich bin hier.

Und Du bist hier.

Ich bete zu Dir.

Und weiß: Ich bin verbunden.

Mit Dir.

Mit anderen, die zu Dir beten.

Genau jetzt.

Genau so.

Ich bin hier.

Und Du bist hier.

Das genügt.

Und ich bringe Dir alles, was ist.

Stille

Höre auf unser Gebet. Amen.

(Für Gemeinschaften)

Gott.

Wir sind hier.

Und Du bist hier.

Wir beten zu Dir.

Und wissen: Wir sind verbunden.

Mit Dir.

Mit anderen, die zu Dir beten.

Genau jetzt.

Genau so.

Wir sind hier.

Und Du bist hier.

Das genügt.

Und wir bringen Dir alles, was ist.

Stille

Höre auf unser Gebet. Amen.

 

·      Bibeltext des Tages (Übersicht s. Anhang)

 

·      (Predigt: Eine Predigt, die während oder nach dem zeitgleichen Gottesdienst gelesen werden kann, wird spätestens am Tag vor dem jeweiligen Gottesdienst auf der Homepage eingestellt!

 

·      Lied des Tages (Text lesen oder singen)


 

·      Fürbitten

(Für Einzelne)

Gott.

Wir sind verbunden. 

Als Menschen mit Menschen.

Als Glaubende miteinander.

Als Glaubende und Menschen mit Dir.

 

Ich bringen Dir meine Gedanken, mein Danken und meine Sorgen.

Heute.

 

Stille

 

Ich denke an alle, die ich liebe.

Was tun sie gerade.

 

Stille.

 

Ich denke an alle, die in diesen Zeiten noch einsamer sind.

 

Stille.

 

Ich denke an alle Kranken.

Und an alle Kranken in Krankenhäusern, die keinen Besuch haben können.

 

Stille.

 

Ich denke an alle, die helfen.

Sie setzen sich und ihre Kraft und ihre Gaben ein füreinander.

 

Stille.

 

Gott.

Wir sind Deine Menschen.

Wir sind miteinander verbunden.

Atmen die Luft Deiner Schöpfung.

Beten zu Dir in allem, was ist. 

Beten zu Dir mit den Worten, die schon Dein Sohn Jesus gebetet hat und die uns im Herzen wohnen:

(Für Gemeinschaften)

Gott.

Wir sind verbunden. 

Als Menschen mit Menschen.

Als Glaubende miteinander.

Als Glaubende und Menschen mit Dir.

 

Wir bringen Dir unsere Gedanken, unser Danken und unser Sorgen.

Heute.

 

Stille

 

Wir denken an alle, die wir lieben.

Was tun sie gerade.

 

Stille.

 

Wir denken an alle, die in diesen Zeiten noch einsamer sind.

 

Stille.

 

Wir denken an alle Kranken.

Und an alle Kranken in Krankenhäusern, die keinen Besuch haben können.

 

Stille.

 

Wir denken an alle, die helfen.

Sie setzen sich und ihre Kraft und ihre Gaben ein füreinander.

 

Stille.

 

Gott.

Wir sind Deine Menschen.

Wir sind miteinander verbunden.

Atmen die Luft Deiner Schöpfung.

Beten zu Dir in allem, was ist. 

Beten zu Dir mit den Worten, die schon Dein Sohn Jesus gebetet hat und die uns im Herzen wohnen:

 

Vaterunser im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wil­le geschehe, wie im Himmel so auf Er­den. Unser tägliches Brot gib uns heu­te und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schul­digern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen, denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlich­keit in Ewigkeit.      Amen.

 

·      Segen (Hände öffnen und laut sprechen):

Gott segne uns und behüte uns.

Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.

Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden. Amen.

 

·      Kerze löschen

Liturgie Hausandacht Gottesdienst zeitgleich
Gottesdienst zeitgleich an verschiedenen Orten
2020 Liturgie Hausandacht Gottesdienst z
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Sonntag Judika, 29.3.2020

Bibeltext der Woche: Hebräer 13, 12-14

„So ist auch Jesus außerhalb der Stadt gestorben, um durch sein Blut das Volk rein zu machen. Darum wollen wir zu ihm vor das Lager hinaus gehen und die Schande mit ihm teilen. Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir."

 

Lied der Woche: EG 97, 1-6 Holz auf Jesu Schulter

1) Holz auf Jesu Schulter, von der Welt verflucht,

ward zum Baum des Lebens und bringt gute Frucht.

Kyrie eleison, sieht, wohin wir gehn.

Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

 

2) Wollen wir Gott bitten, dass auf unserer Fahrt,

Friede unsre Seelen und die Welt bewahrt.

Kyrie eleison, sieht, wohin wir gehn.

Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

 

3) Denn die Erde klagt uns an bei Tag und Nacht.

Doch der Himmel sagt uns: Alles ist vollbracht.

Kyrie eleison, sieht, wohin wir gehn.

Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

 

4) Wollen wir Gott loben, leben aus dem Licht.

Streng ist seine Güte, gnädig sein Gericht!

Kyrie eleison, sieht, wohin wir gehn.

Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

 

5) Denn die Erde jagt uns auf den Abgrund zu:

Doch der Himmel fragt uns: Warum zweifelst du?

Kyrie eleison, sieht, wohin wir gehn.

Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

 

6) Hart auf deiner Schulter lag das Kreuz , o Herr,

ward zum Baum des Lebens, ist von Früchten schwer.

Kyrie eleison, sieht, wohin wir gehn.

Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

 

 

Predigt (Predigttext Hebr. 13, 12-14)

Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da war und der da ist und der da kommt. Amen.

 

Liebe Gemeinde!

Lüneburg war im Mittelalter eine reiche und mächtige Stadt. Das lag an der salzigen Quelle, die seit Urzeiten innerhalb der Stadtgrenzen ans Tageslicht kommt. Vor ungefähr 1.000 Jahren begann man nun, diese Quelle zur Salzgewinnung zu nutzen, indem man das Wasser verdampfte. Das so gewonnene wertvolle Salz wurde mit Kähnen nach Lübeck gebracht und von dort aus im ganzen Ostseeraum verkauft.

Die Bewohner Lüneburgs erreichten durch den Salzverkauf besondere soziale Absicherung. Die Patriziergeschlechter der Stadt kamen zu Reichtum, die Arbeiter hatten ein gesichertes Auskommen, die Handwerker hatten genug Arbeit.

Doch die Macht Lüneburgs bot nicht allen Bewohnern Vorteile. Die Stadt war von einer hohen Mauer umgeben, die ursprünglich den Bewohnern Schutz vor Feinden bieten sollte. Doch bald wurden Gesetze erlassen, wer innerhalb der Mauern leben durfte und wer nicht. Diese Gesetze waren streng: Die Todkranken zum Beispiel mussten die Stadt verlassen. Man versah sie mit den Sterbesakramenten und siedelte sie in einer Siechensiedlung an. Nach draußen  - vor die Stadt - wurden also die verbannt, mit denen man nicht gern in Berührung kommen wollte.

Dies war nicht nur im Lüneburg des 13. Jahrhunderts so, auch im Jerusalem zur Zeit Jesu handelte man so: Kranke, besonders Leprakranke - Aussätzige wurden sie genannt - wurden vor der Stadt angesiedelt. Und auch Hinrichtungen fanden vor den Toren der Stadt - auf Golgatha - statt. So wissen wir es aus den Evangelien, die uns den Tod Jesu überliefern, so lesen wir es auch im heutigen Predigttext im Hebräerbrief:

 

„So ist auch Jesus außerhalb der Stadt gestorben, um durch sein Blut das Volk rein zu machen. Darum wollen wir zu ihm vor das Lager hinaus gehen und die Schande mit ihm teilen. Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir."

 

Draußen vor der Stadt wird Jesus gekreuzigt, darauf legt der Hebräerbrief besonderen Wert. Draußen, also dort, wo die Verbannten leben, außerhalb der Sicherheit, die die Stadtmauern bieten, dort findet die Kreuzigung statt. Und der Hebräerbrief benennt diese Kreuzigung ganz deutlich als Schande, die Jesus ganz bewusst auf sich genommen hat. Er ist nach draußen, zu den Ausgestoßenen, gegangen, ist also einer von ihnen geworden. 

Der Gegensatz zwischen drinnen und draußen, zwischen innerhalb des festen Gefüges einer Gruppe und außerhalb der Gemeinschaft ist für den Verfasser des Hebräerbriefes sehr wichtig. Jesus war für ihn der erste, der den Schritt nach draußen, aus der festen Gruppe hinaus, getan hat. Und er sieht die Notwendigkeit, dass Christinnen und Christen dies auch tun, dass sie dies immer wieder tun.

Zu der Zeit, als der Hebräerbrief geschrieben wurde, wurde die Abspaltung der Christen von den Juden deutlich sichtbar.

In der ersten Zeit nach Jesu Tod, da besuchten seine Anhänger ganz selbstverständlich die Synagogengottesdienste. Doch bald schon zeigte sich, dass die Christen eine ganz andere Meinung zu wichtigen Punkten des jüdischen Glaubens hatten. Das Bestreben der Christen ging beispielsweise dahin, auch unter den Nichtjuden Anhänger zu gewinnen. Diese sogenannte Heidenmission war den frommen Juden ein Dorn im Auge.

So zogen es die Christen zur Zeit des Hebräerbriefes vor, die schützende Gemeinschaft des Judentums zu verlassen und als Glaubensgemeinschaft ihren eigenen Weg zu gehen. Sie nahmen also, wie der Hebräerbrief es formuliert, „die Schande Jesu" auf sich, sie zogen sich aus der sicheren, schützenden Gemeinschaft zurück: sie verließen das Lager. Die Folge davon war, dass die Christen schon bald schweren Verfolgungen ausgesetzt waren. Viele von denen, die damals aus dem Lager herausgetreten waren, erlebten wie Jesus Folter und Tod. Sie wurden selbst zu Opfern, die sich außerhalb der schützenden Mauern befanden.

Heute, in unserem Land, werden wir als Christinnen und Christen nicht mehr verfolgt. Heute sind wir wegen unseres Glaubens nicht mehr die Opfer. Aber es gibt sie dennoch, diejenigen, die sich außerhalb der verschiedenen Gruppen befinden und die darunter zu leiden haben. Das Muster, nach dem solch ein Ausschluss vor sich geht, das ist noch genauso wie zur Zeit des Hebräerbriefes: Die Mehrheit schließt sich zusammen und bildet eine feste Gruppe, das Lager, aus dem einzelne ausgesperrt werden.

Und dieses Muster funktioniert immer noch, im Großen wie im Kleinen. Der Hebräerbrief sagt uns, dass wir als Christinnen und Christen dem entgegentreten sollen: „Darum wollen wir zu Jesus vor das Lager hinaus gehen". Wir werden durch diese Worte darauf hingewiesen, dass wir die Opfer nicht allein lassen sollen. Denn wer sich zu den Opfern wendet, der trifft auf Jesus.

Nun gibt es bei uns keine Lager mehr außerhalb der Stadt, in denen die Kranken isoliert leben, wie es früher üblich war. Aber isoliert sind ja derzeit viele Menschen wegen der Coronakrise. Die bestehenden Verbote, deren Sinn es ist, durch Einschränken der sozialen Kontakte die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, erscheinen uns nachvollziehbar und sinnvoll.  Ebenso wie die häusliche Isolation, wenn man Kontakt zu einem möglicherweise Erkrankten hatte, oder die Quarantäne, wenn jemand tatsächlich erkrankt ist. Aber diese Maßnahmen einzuhalten fällt oft so schwer, besonders, wenn man an Betretungsverbote von Altenheimen und Krankenhäusern denkt, oder an die Beschränkung der Personenzahlen bei Trauerfeiern, die auch nur noch auf dem Friedhof stattfinden dürfen.

Isolation gibt es also gerade heute, in unserer modernen Welt, und die Menschen leiden darunter. Opfer der derzeitigen Situation, die gibt es genug – auch wenn es bei uns in Deutschland bisher nicht so viele schwere Erkrankungen und Todesfälle gibt wie in anderen Ländern.

Diese Menschen, die jetzt besonders leiden, die sollen wir nicht allein lassen, denen sollen wir uns jetzt besonders zuwenden. Wir können zwar nicht direkt zu den Menschen gehen, aber symbolische Aktionen, die Nähe bei aller derzeit nötigen Distanz verdeutlichen, gibt es viele.

So ist das abendliche Singen des Chorals „Der Mond ist aufgegangen“ um 19 Uhr im Garten, auf dem Balkon oder am offenen Fenster ein schönes Signal der Gemeinschaft und des christlichen Glaubens, die uns gerade jetzt tragen sollen und werden. Besonders die weniger bekannten Strophen bekommen derzeit eine wichtige und tiefe Bedeutung, finde ich. Es tut auch gut, abends um 20 Uhr eine Kerze im Fenster oder vor der Tür zu entzünden, und damit stärkende Gedanken und ein Gebet zu verbinden. Einkaufsdienste für gefährdete Personen, die angeboten werden, zeigen unsere menschliche und christliche Solidarität, die jetzt so wichtig ist. Auch Anrufe, die „einfach nur so“ getätigt werden oder Briefe, die mal wieder geschrieben werden – wenn möglich per Hand! – zeigen unsere Nähe und Verbundenheit trotz räumlicher Distanz.

Christliche Nächstenliebe können wir so ganz praktisch zeigen, indem wir erfinderisch werden. Und dadurch auch ohne körperlich Nähe, aber im Geist, in der Liebe, im Glauben verbunden sind und bleiben. Und in der Hoffnung, dass wir alle gemeinsam diese schwere Zeit bewältigen werden, weil Gott uns dennoch nahe ist und uns Kraft schenken wird.

So auf Jesus schauen, unser Leben an ihm ausrichten, nach seinen Worten handeln, dazu ermuntert und ermutigt uns der Hebräerbrief. Und er gibt eine Hilfestellung, um auch mit der Vergänglichkeit zu leben:

„Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir."

Es gibt keine bleibende Stadt, das wird auch am erwähnten Beispiel Lüneburgs sichtbar. Die salzige Quelle, die einst der Stadt zu solchem Reichtum verholfen hat, diese Quelle spült an den Salzstöcken unter der Stadt und damit an ihren Fundamenten. Der Boden senkt sich, Häuser müssen abgerissen werden. Und auch der Reichtum der Stadt hatte keinen Bestand. Heute ist Lüneburg eine schöne Kleinstadt, aber ihre Bedeutung für den Salzhandel und damit ihre Macht gehören längst vergangenen Zeiten an.

            „Wir haben hier keine bleibende Stadt", das bedeutet für uns, dass alles, auf das wir Menschen uns gern zurück ziehen wollen an materieller und sozialer Sicherheit letztlich keinen Bestand hat. Nichts, was wir uns eingerichtet, was wir uns aufgebaut haben, wird ewig bleiben. Und das merken wir gerade in diesen Wochen besonders!

            Denn es zeigt sich, dass viele Sicherheiten trügerisch sind; dass vieles, was uns so unendlich wichtig erscheint, plötzlich infrage gestellt wird; dass „vieles, was uns wie selbstverständlich erschien“ momentan fragwürdig wird, wie Landesbischof Ralf Meister es formuliert hat. 

Das wird uns derzeit besonders bewusst, im Grunde genommen ist es aber eine Erfahrung, die wir das ganze Leben hindurch machen: Wir verlassen die Eltern, um erwachsen zu werden. Wir lassen Lebensphasen hinter uns, wenn wir uns verändern. Wir werden älter und das bedeutet die Einbuße unserer körperlichen Leistungsfähigkeit. Liebesbeziehungen, Freundschaften verändern sich. Wir müssen von liebgewonnen Menschen Abschied nehmen - für eine gewisse Zeit, aber auch auf Dauer. Wir müssen lernen, mit dem Schmerz und der Trauer, die wir aufgrund der Vergänglichkeit immer wieder empfinden, zu leben.

Dieses Leben-lernen mit dem Verlust fällt schwer, das wusste auch der Verfasser des Hebräerbriefes. Deshalb werden wir von ihm aufgefordert, den Blick von uns selbst abzuwenden. Wir können nicht immer nur uns selbst im Blick haben, wenn unser Leben gelingen soll. Nein, wir sollen unser Augenmerk stärker darauf richten, dass es neben uns Menschen gibt, die leiden. Wir sollen, so sagt es der Predigttext, „zu Jesus vor das Lager hinaus gehen“ und uns diesen leidenden Menschen zuwenden.

Tragen soll uns die Hoffnung, dass durch den Tod, den Jesus am Kreuz erlitten hat, für uns die Zukunft möglich wurde – trotz aller Dinge, die immer wieder infrage gestellt werden in unserem Leben.

Tragen soll uns die Hoffnung, dass durch diesen Tod die Ausgrenzungen, die wir immer erleben müssen, überwunden werden können, dass es kein drinnen und kein draußen mehr geben muss.

            Tragen soll uns die Hoffnung, dass wir durch den Tod Jesu bei Gott eine beständige Zuflucht, eine bleibende Stadt haben.            Amen.

            

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere menschliche Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Predigt für Sonntag, 29.3.2020
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Sonntag Lätare, 22.3.2020

 

Bibeltext der Woche: Joh. 12, 20-26

Es waren aber einige Griechen unter denen, die heraufgekommen waren, um anzubeten auf dem Fest. Die traten zu Philippus, der von Betsaida aus Galiläa war, und baten ihn und sprachen: Herr, wir wollten Jesus gerne sehen.

Philippus kommt und sagt es Andreas, und Philippus und Andreas sagen's Jesus weiter.

Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Zeit ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. Wer sein Leben lieb hat, der wird's verlieren; und wer sein Leben auf dieser Welt hasst, der wird's erhalten zum ewigen Leben. Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Und wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren.

 

Lied der Woche: EG 98, 1-3 Korn, das in die Erde

1) Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt,

Keim, der aus dem Acker in den Morgen dringt -

Liebe lebt auf, die längst erstorben schien:

Liebe wächst wie Weizen und ihr Halm ist grün.

 

2) Über Gottes Liebe brach die Welt den Stab,

wälzte ihren Felsen vor der Liebe Grab.

Jesus ist tot. Wie sollte er noch fliehn?

Liebe wächst wie Weizen und ihr Halm ist grün.

 

3) Im Gestein verloren Gottes Samenkorn,

unser Herz gefangen in Gestrüpp und Dorn -

hin ging die Nacht, der dritte Tag erschien:

Liebe wächst wie Weizen und ihr Halm ist grün.

 

 

Predigt (Predigttext Joh. 12, 20-26)

Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da war und der da ist und der da kommt. Amen.

 

Liebe Gemeinde!

            Für Kinder ist es faszinierend, Samenkörner in die Erde zu stecken und immer wieder zu schauen, was da so wächst. Und ganz ehrlich: Uns Erwachsenen geht es doch genauso: Wie schön ist es, im Frühjahr Samen zu stecken, damit wir im Sommer Blumen oder Salat oder Rasen haben. Hoffentlich tun das gerade in diesem Jahr der Corona-Krise möglichst viele Menschen, damit es weiterhin wächst, grünt und blüht, denn das ist ein Ausdruck der Hoffnung!

Haben Sie nicht auch schon einmal gestaunt, an welchen Stellen im Garten Blumen wachsen, die man längst vergessen hatte? Selbst an den Stellen, an denen die Erde sehr trocken aussieht?

            Wenn wir ein Samenkorn auf die Erde legen, dann vertrocknet es. Legen wir es in die Erde, dann treibt es aus und bringt nach gewisser Zeit viele neue Samen hervor. Ein Weizenkorn für sich allein vergeht, aber in der Erde verwandelt es sich in eine Pflanze, durchbricht die Erde und entwickelt ungeahnte Kraft. Ein natürlicher Vorgang, faszinierend wohl, aber ohne tieferen Hintergedanken.

            Jesus hat diesen Vorgang in einem Gleichnis verwendet, hat ihm damit eine tiefere Bedeutung gegeben. Im Alten Orient, wo die Menschen tatsächlich noch von der Hand in den Mund lebten, da verbrauchte man im Winter das Getreide, das man im Herbst geerntet hatte. Im Frühjahr, wenn man das Passahfest feierte, gingen die Vorräte zuneige. Und das letzte Getreide durfte die Familie nicht essen - das war das Saatgut für die neue Saat. Buchstäblich mit den Tränen der Sorge wurde es in die Erde gelegt. Sorge, weil niemand wusste, ob die Saat denn aufgehen würde oder ob zu viel Dürre oder zu viel Regen oder zu viele Schädlinge die Ernte vernichten könnte.

            Gern gab man die Körner in den Familien nicht her, aber es musste sein. Dieses Bild gibt Jesus nun den Jüngern als Trost und Ermutigung anlässlich seines bevorstehenden Todes. Er sagt damit: „Freunde, denkt dran, wenn ihr mich vermisst: Eure Samenkörner müsst ihr hergeben und begraben und in Geduld die Wirkung abwarten. Genauso ist es bei mir: Bald müsst ihr mich hergeben und begraben, aber ich werde in anderer, neuer Form wieder aus der Erde auferstehen und mehr bewirken als je zuvor.“

            Davon lesen wir im heutigen Predigttext aus dem Johannesevangelium:

 

            „Es waren aber einige Griechen unter denen, die heraufgekommen waren, um anzubeten auf dem Fest. Die traten zu Philippus, der von Betsaida aus Galiläa war, und baten ihn und sprachen: Herr, wir wollten Jesus gerne sehen. Philippus kommt und sagt es Andreas, und Philippus und Andreas sagen's Jesus weiter. Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Zeit ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. Wer sein Leben lieb hat, der wird's verlieren; und wer sein Leben auf dieser Welt hasst, der wird's erhalten zum ewigen Leben. Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Und wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren.“

 

            „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein. Wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.“

            Damit weist Jesus auf seinen eigenen Tod hin. Und er bringt zum Ausdruck, dass es gar nichts nützt – so wie die Griechen es sich gewünscht haben -, den großen Wunderheiler persönlich zu sehen, weil auch er sterben muss und dann nicht mehr da ist. Aber aus seinem Sterben wächst etwas Neues hervor, aus seinem Tod lässt Gott eine ganz neue Art von Leben hervorgehen. Und die kann man eben noch nicht sehen, die kann man nur glaubend erfahren.

            Gerade das aber fällt uns oft so schwer, nicht nur in dieser Zeit, in der zur Verlangsamung der Ausbreitung des Corona Virus immer stärkere Einschränkungen im öffentlichen und privaten Leben von uns gefordert sind. Aus dem Glauben zu leben und dadurch Hoffnung und Freude in uns zu spüren und aufrechtzuerhalten, das fällt auch im normalen Alltag oft schon schwer genug. Denn was wir um uns herum sehen, das ist so viel Scheitern und Tod, so viel Leid und Elend in aller Welt. Was wir immer wieder direkt in unserer Nähe sehen und erleben müssen ist das Scheitern unserer Lebenserwartungen, unserer Wünsche und Hoffnungen. Es gibt wohl kaum jemanden, der nicht schon großes Leid in seinem Leben erlebt hat: das viel zu frühe Sterben des Partners, den Verlust der Tochter, eine schwere Krankheit, einen bösen Streit mit den Nachbarn, eine große Enttäuschung, die jemand aus der Familie verursacht hat, der gefallene Bruder, die Vertreibung aus der Heimat in frühster Jugend … All dieses – weltweit und privat -, aber besonders auch die derzeitige Situation birgt in sich die Gefahr, dass wir uns auch von einem Gefühl der Hoffnungslosigkeit anstecken lassen, dass  es uns immer schwerer fällt, aus dem Glauben Kraft zu schöpfen, weil wir mit voller Wucht vor der Frage stehen, wo Gott denn jetzt gerade ist und warum er uns nicht hilft. Wir hoffen darauf, dass all die negativen Dinge uns nicht treffen und wüschen uns sehnlichst, unser gewohntes Leben wieder oder weiter führen zu können. 

            Es ist nur menschlich, dass wir an unseren Vorstellungen und Träume von einem sinnvollen und gelingenden Leben festhalten wollen:  Wir wollen uns liebgewordene Menschen nicht hergeben, wir wollen unseren Arbeitsplatz behalten, wir wollen unseren Reichtum nicht einschränken, wir wollen das Bild, was wir von unserem Partner hatten, nicht ändern müssen, wir wollen die Hoffnungen, die wir in unsere Kinder gesetzt hatten, nicht frühzeitig aufgeben, wir wollen nicht in unseren gewohnten Freiheiten eingeschränkt sein. Wir wollen das alles nicht loslassen und hergeben. Aber wir können es nicht festhalten.

            Das Gleichnis Jesu vom Weizenkorn handelt davon, dass wir manches eben jetzt noch nicht sehen können, aber es wird trotzdem passieren. Es spricht von etwas, das auch schon in uns und unserer Welt trotz allen Leids angelegt ist. Wir begraben unsere Hoffnungen und Träume, aber es soll trotzdem etwas Neues daraus hervor wachsen, schöner, besser und mit mehr Frucht.

            Wir können dem Leid nicht aus dem Weg gehen, es trifft uns, ob wir wollen oder nicht, mit und ohne Glauben, mit und ohne Jesus. Und wir sind es auch nicht, die unser eigenes Leben geschaffen haben, die es erhalten können. Wir sind es nicht, die neues Leben schaffen können.

Aber: Dieses neue Leben soll trotzdem entstehen, es wächst von allein, es ist schon in diesem Leben alles angelegt, es soll schon jetzt anfangen zu wachsen, und was daraus werden soll, ist mehr oder weniger schon festgelegt: eine im Vergleich zu ihrem kleinen unscheinbaren Samenkorn große, schöne, fruchtbringende Pflanze.

            „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein. Wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.“
            Das Weizenkorn deutet aber nicht nur Jesu Tod, sondern unser ganzes Leben neu. Das wird deutlich, wenn wir auf die beiden folgenden Verse schauen:

            „Wer sein Leben lieb hat, der wird’s verlieren; und wer sein Leben auf dieser Welt hasst, der wird’s erhalten zum ewigen Leben. Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Und wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren.“

            Wer sein Leben krampfhaft festhalten will, wer sich jeglicher Veränderung beharrlich verweigert, wer immer nur singt: „Ich will so bleiben, wie ich bin!“, der bleibt allein. Allein mit seiner Sturheit und Starre. Der wird nie erleben, wie heilsam Umkehr, wie befreiend Vergebung und wie wohltuend ein Neuanfang sein kann. Das Leben fängt erst an fruchtbar zu werden, wo wir es nicht für uns behalten, sondern teilen.

            Wo ist den Gott in all dem? Ich glaube und vertraue darauf: Gott ist als stärkende Kraft bei den Menschen, die bereit sind, ihr Leben zu teilen. Denn  es ist nicht leicht, die Nachfolge wagen trotz aller Vorbehalte, trotz Gestrüpp und trotz all derer, die den Stab über sie brechen. Aber gerade durch solche Menschen wächst Liebe „wie Weizen und ihr Halm ist grün“, wie es im Lied der Woche heißt.

            Grün wie die Hoffnung, die auf dem Horizont geschrieben steht – für die Jünger Jesu damals wie heute; für unsere Verstorbenen; für die Menschen, die Gott liebt; für uns selbst im Angesicht der Krankheit und des Todes; für uns mitten im Leben.

            Lassen wir diese Hoffnung sichtbar werden – gerade auch jetzt. Durch Solidarität mit unseren Mitmenschen, Zuwendung zu unseren Nächsten, die trotz der Einschränkung sozialer Kontakte immer möglich ist. Und durch alles Pflanzen und Säen auch in diesem Jahr!     Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere menschliche Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Predigt für Sonntag, 22. März 2020
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Der Herr segne dich ...